Dienstag, 2. März 2021
Wirkende Wirklichkeit (2)

Ich bin also ein Rassist mit gutem Gewissen. Wer mich Rassist nennt, der beleidigt mich nicht. Er macht nur eine Tatsachenfeststellung. "Rassist" klingt in meinen Ohren schon fast synonym zu "Mensch". Natürlich bin ich ein Rassist – denn ich bin ein Mensch.

Es würde mich freuen, wenn der ein oder andere sich also einen differenzierteren Werte- und Unwerte-Horizont zulegen würde. Denn ich meine auch trotz meines Bekenntnisses zum Rassismus keine Verachtung verdient zu haben. Es gibt solche und solche Rassisten.

Es gibt die schlimme Sorte, die Sündenböcke sucht und vor lauter pauschalen Negativzuschreibungen (oder auch Positivzuschreibungen) blind für den einzelnen Menschen wird, der vor ihnen steht. Es gibt die, die anderen Menschen Vorschriften machen wollen, wen sie zu heiraten und mit wem sie sich fortzupflanzen haben. Es gibt die, die sich überstarke biologistische Determiniertheiten des menschlichen Verhaltens aufgrund der Rasse einreden. Es gibt die, die dumpfe Vorurteile haben und anwenden wollen.

Und es gibt die, zu denen ich gehöre, und die sich erstmal nur zwei Feststellungen erlauben: 1. Wir Menschen nehmen Rassen wahr. 2. Diese Wahrnehmung berührt uns innerlich, so wie im Grunde jede Wahrnehmung, die wir haben.

Dann gehe ich noch einen Schritt weiter, indem ich sage, dass sich der Mensch selbstverständlich auch in seiner Wirklichkeit gemäß seinen Bedürfnissen einrichten darf. Wenn mir der Regen auf der Haut unangenehm ist, dann darf ich mir einen Schirm nehmen und mich davor schützen. Wenn mir die allgemein stattfindende Rassenvermischung unangenehm ist, dann darf ich mich dagegen aussprechen. Ich halte das für eine simple Wahrheit, die sich jeder erlauben darf. Wahrheiten sind immer erlaubt.

(Mit "Rassenvermischung" meine ich hier: Eine Politik der Rassen- und Völkervermischung. Ich rede hier nicht wertend über die Rassenvermischung, die geschieht, wenn sich zwei Individuen gegenseitig sympathisch sind und sich anziehen. Dies ist mir weder unangenehm noch angenehm, sondern einfach eine Sache, die die zwei Menschen unter sich ausmachen.)



Ist mir die Rassenvermischung unangenehm?

Jain. Sie ist mir definitiv unangenehm, wenn ich am Ende doch wieder die Beobachtung machen muss, dass sie letztlich nicht (genügend) funktioniert. Wenn ich also hier in Berlin ganze Stadtviertel beobachte, die von einer anderen Ähnlichkeitsgruppe beherrscht sind, dann berührt mich das negativ auf mehrfache Weisen: Zum einen nehme ich archaische Impulse in mir wahr, die in Anbetracht der optischen Bildgewalt, plötzlich so viele optisch Andersartige zu sehen, eine Qualität von Eingeschüchtert-Sein haben. Zum anderen ärgere ich mich über all die Multikulti-Träumer und -Lügner. Ich fühle mich betrogen, von dieser ständigen rosaroten Brille und diesem ständigen Vielfaltsgelaber. Wo ist hier bitte die Vielfalt? Diese Gruppe da vor meinen Augen ist optisch genauso homogen wie meine eigene Sippe. (Zugegeben, das ist nur die optische Ebene.) – Drittens gibt es einen Philosoph in mir, der an ein großes menschliches Potential glaubt, der dann aber leider feststellen muss, dass wir noch gar nicht so hoch stehen, wie wir es gerne hätten. Offensichtlich sind wir ja noch nichtmal an dem Punkt, dass wir uns der Realität stellen, so wie sie eben ist. Hier mischt sich zu meiner Verärgerung Trauer. Dieser Philosoph in mir trägt das antirassistische Ideal nämlich wirklich in sich und dieser wird dann ständig enttäuscht. Auch neige ich zu einer tragischen Interpretation dieser sichtbar missglückten Rassenvermischung: Das Bild einer in Ethnien zerteilten Stadt zeigt für mich praktisch ikonisch auf, wie die Menschen immernoch so fundamental unversöhnlich miteinander sind. Sie streiten sich wegen Kleinigkeiten. Sie schlagen sich wegen Kleinigkeiten sogar regelmäßig die Köpfe ein. Nein, mit solchen Menschen, also mit uns allen, kann man wahrlich keine rassenvermischte Gesellschaft bauen. Wir alle sind einfach noch nicht reif dafür. Es wäre schön, wenn dies schon möglich wäre, aber es ist nicht so. Zumindest ist nicht der Idealzustand möglich, den ich als Erfolgsmaßstab ansetze. Multikulti funktioniert nur leidlich, gemessen an dem Paradies, das man uns verkaufen will. Es ist anscheinend nur als moralisches Paradies existent. Zur Erfüllung kommt hier vor allem die Moral, aber nicht das Lebensglück der Menschen. Jedenfalls bisher und sofern ich von mir persönlich berichten darf; und von vielen anderen mit nicht unerheblichen Multikultifrust. Und das ist noch viel zu milde ausgedrückt. (Es gibt Leiderfahrungen auf allen Seiten!!!)



Habe ich mich gerade versteckt für eine rassenvermischte Gesellschaft ausgesprochen? (Ich sagte, "Es wäre schön, wenn dies schon möglich wäre… ") – Nein. Ich sage erstmal nur, dass es schön wäre, wenn wir uns alle auf einer entsprechend hohen Stufe des Menschseins befinden würden. Hoch genug stehend, dass wir absolute Nicht-Rassisten sein könnten. Vor einer solchen Menschheit würde ich wahrhaft meinen Hut ziehen. Aber damit sage ich nicht, dass die rassenvermischte Gesellschaft ein Ideal an sich sein muss, zu dem jeder von uns hinstreben muss. Dies ist nichts, das man wollen muss. Sie ist wohl auch keine notwendige Herausforderung, kein notwendiges, fundamentales Menschenschicksal. Entropie hin oder her, als bewusst handelnde Wesen auf diesem Planeten dürfen wir uns verteilen wie wir wollen. Der Planet ist groß genug, um Platz für alle möglichen Gesellschaftsformen zu bieten, rassenvermischte wie unvermischte.



Warum ist der Anblick einer "missglückten" Rassenvermischung für mich negativ behaftet? Wieso soll ich mich so darauf versteifen, dass ein China-Town oder ein Türkei-Town oder was auch immer-Town, also die Ethnisierung von Stadtvierteln, ein "Misserfolg" des Multikultiprojekts darstellt? Schließlich ist das doch nur eine weitere Bereicherung! – und nichts anderes! Wir brauchen jetzt z.B. nicht mehr in die Türkei zu fliegen! Nur ein paar U-Bahn-Stationen und man hat schon fast das Gefühl, man wäre in der Türkei. Das ist doch toll! – ?

Mal ganz abgesehen davon, dass mich diese "linke" Argumentationsweise unglaublich ankotzt, weil man mir hier wiedereinmal sagen möchte, was ich toll zu finden habe (und also in meinen Geist hineingreift): Ich mag die Ethnisierung von Stadtvierteln einfach nicht. Punkt.

Darüber hinaus nehme ich für mich in Anspruch, empfindlich auf Rassismus zu reagieren, der direkt vor meinen Augen (oder in meiner Vorstellung) ein Schaulaufen hat. Ich darf wirklich von mir behaupten, dass ich gewisse Formen von Rassismus als etwas genuin Häßliches empfinde. Als etwas genuin Störendes. Wenn ich mich in einer Mischgesellschaft aus zwei primären Rassentypen A und B befinde, und ich es auch nur vermute, dass diese beiden Gruppen im wesentlichen doch lieber unter sich bleiben, ob auf der Ebene der Fortplanzung, im täglichen sonstigen Verkehr, in ihren eigenen Stadtvierteln oder wo auch immer, dann erzeugt bereits diese Vermutung in mir ein Störgefühl. Es ist etwas, mit dem ich tendenziell in Unfrieden lebe. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich mich zu der ein oder anderen Gruppe zugehörig fühle und die "anderen" als Konkurrenz oder Bedrohung wahrnehme. Die Vorstellung an sich ist mir unangenehm, weil sie mir suggeriert, dass die Gesellschaft von der Möglichkeit eines tieferen Einheitserlebens weiter entfernt ist als sonst. (Und damit auch von der Möglichkeit einer tieferen und gründlicheren Solidarität weiter entfernt ist!)



Vielleicht bin ich in Wahrheit also sogar der konsequentere Antirassist? – In Anbetracht der optischen Bildgewalt ethnisierter Stadtviertel tendiere ich schließlich zum Kotzen.

Vielleicht ist der wesentliche Unterschied zwischen mir und einem Antirassisten, wie er vom Zeitgeist definiert wird, primär einer, der auf den Eigenschaften Pragmatismus und Realismus gegründet ist. Ich bin – ich versuche es mit all meiner Disziplin zu sein – das Gegenteil von einem Ideologen. Ich bin Pragmatiker genug, um die Feststellung machen zu können, dass die Rassen- bzw. Kulturvermischung nicht (genügend) funktioniert. Und ich bin Pragmatiker genug, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Was nicht funktioniert, sollte man nicht weitertreiben, wenigstens nicht steigern.








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