Mittwoch, 12. Dezember 2018
Der Mensch und die Feigheit (und die Demokratie)

Um die Betrachtung der suboptimalen psychischen Grundsituation des Menschen annähernd komplett zu machen, muss noch die Feigheit erwähnt werden. (Diesmal komme ich wieder ohne Parteinahme für rechts oder links aus. Dieses Thema ist mir zu wichtig.)

Sie ist da. Wir haben zuviel davon. Und wir haben kein Erziehungssystem, das sie uns auszutreiben versucht.

Für mich ist das eigentlich etwas Unfassbares. Ich verstehe es nicht. Warum? Warum ist das so? Hat hier denn keiner eine tiefe Liebe zum Menschen? Zur Seele? Zu sich selbst?

Feigheit ist für mich per Definition eine "billige Angst", eine Angst, die wir nicht haben müssten. Die wir nur mit ein kleines bißchen Anstrengung, Konzentration und Härte gegen uns selbst überwinden könnten. Mit ein kleines bißchen Ermutigung von außen wäre auch schon viel gewonnen.

Aber der überwiegend materialistische Blick der Politik übersieht hier den Handlungsbedarf. Als Verschwörungstheoretiker könnte man jetzt sagen: "Die Politik will das starke Individuum ja auch gar nicht. So hat sie eine leichter zu lenkende Herde." Ich glaube aber, man hat es bisher schlicht vergessen. Bzw. das Thema ist noch nicht zu Bewusstsein gestiegen. Man schätzt die Innenwelt des Menschen noch nicht genug. Die Politik fühlt sich dafür noch nicht zuständig. (Doch das sollte sie.)

 

Bei der Lektüre der "Weißbücher" des Vereins Sterbehilfe Deutschland [1] [2] [3] [4] [5] ist es mir das ein oder andere Mal aufgefallen: 70-, 80 Jahre alte Menschen, die beim Rückblick auf ihr Leben davon berichteten, dass sie sich nicht getraut haben, aus der Kirche auszutreten! 70, 80 Jahre Entwicklungszeit waren nicht genug, um dies zu leisten! Um sich geistig zu emanzipieren. Um das Wagnis einzugehen, allein mit Gott zu gehen und keine weltliche Bestätigung nötig zu haben. Um endgültig mit der Kirche zu brechen. Um stärker und größer zu sein als der Käfig der konditionierten Psyche. – Ich urteile nicht über sie. Ich bin ja selber auch feige. Und schließlich waren alle diese Menschen mutig genug, bewusst in den Tod zu gehen. Aber erstaunt hat es mich schon.

Jedenfalls zeigt es auf, was ohnehin klar sein müsste: Feigheit ist in ihren Auswirkungen auch politisch. Ich schätze das Ausmaß sehr groß ein. Ein kollektiver Rückgang der Feigheit um 90% würde uns ganz andere Wahlergebnisse einbringen. All die "Bürgerlichen", die CDU wählen, weil sie schon ihr ganzes Leben CDU gewählt haben und schließlich gar nicht mehr anders können. Die schon aus einer allgemeinen Angst vor Veränderung immer lieber beim Alten und Bewährten bleiben und die sich an der peinlichen Vorstellung festhalten, dass die CDU christlich sei. Und sehr wahrscheinlich gäbe es auch paar mehr Prozente für die AfD. Denn es verlangt vielen Mut ab, ihr Kreuz dort zu machen. (Wer hier jetzt sagt: "Ist doch prima, wenn die Feigheit von heute wenigstens dafür gut ist, der AfD Wählerstimmen vorzuenthalten.", der begeht für mich eine Todsünde, denn für mich gibt es nichts Heiligeres als die Seele.)

 

Für mich implizieren all diese psychischen Unzulänglichkeiten des Menschen eine dramatische und fundamentale Infragestellung unserer "Demokratie". Mir ist die Sichtweise möglich, dass wir de facto gar keine Demokratie haben, denn eine Demokratie setzt den mündigen Bürger voraus, der nicht nur theoretisch frei denken und wählen kann. Es braucht ein Mindestmaß an geistiger Emanzipiertheit, um eine Demokratie bilden zu können. Es gibt auch keine echte Religionsfreiheit, wenn sich die Menschen doch nicht trauen, aus der Kirche auszutreten. Der Geist muss entwickelt sein. Sonst ist alles nur Quark und billiger Schein. Wir sind zwar schon etwas besser dran als vor 100 Jahren, als die Kirchen noch viel massiveren Einfluss auf unsere Köpfe, Moralen und unser Gewissen hatten, doch wir haben noch ein gutes Stück zu gehen. – Ich warte noch auf die Partei, die sich das mal ins Programm schreibt.

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Mittwoch, 12. September 2018
Wir träumen ein "Ich". Wir träumen ein "Wir" – Der Streit um das "Wir"

Mein "Glauben", meine Welt-Vorstellung und mein Welt-Bild, orientiert sich sehr stark an der radikal spirituellen Perspektive, die die Welt und uns selbst zu einem Traum erklärt. Ich glaube, dass in diesem Bild ein sehr hohes Maß an Wahrheit liegt.

Es ist mir daher eher fremd, über die Themen "Ich", "Wir", "individuelle Seele", "Geist" und "Kollektiv" zu diskutieren, als müssten wir erst die Frage klären: Sind diese Dinge real? Nach allgemeiner, esoterischer Erleuchtungslehre träumen wir das "Ich" letztlich auch. Wir alle, die wir letztlich zusammen Gott sind. Es spielt also keine große Rolle, ob wir uns ein "Ich" oder ein "Wir" erträumen. Alles ist Illusion und alles ist Realität.

Es ist im Traum ohne weiteres möglich, ein im Traum Handelnder zu sein, und gleichzeitig nicht durch seine Augen hindurch am Traum teilzunehmen, sondern z.B. aus einer Beobachterposition, als würde man an der Decke des Zimmers schweben, in dem die Handlung stattfindet. Man schaut da auf einen Menschen wie in einem Theaterstück und ist doch gleichzeitig die Seele, die mit dieser Erscheinung verbunden ist. Man ist auf tiefe Art und Weise "identifiziert" ("identisch", gleich…). Und man erlebt diese Realität direkt in seinem Geiste, im Bewusstsein. Es ist ein direktes "Wissen".

Es ist für das menschliche Bewusstsein ein leichtes, seine Ich-Idee über sich selbst hinaus auszubreiten. Außerdem können sich auch die tieferen Anteile des menschlichen Bewusstseins fühlend und liebend mit anderen Menschen substantiell vermischen. Dieses Phänomen sollte jeder zumindest aus einer Liebesbeziehung kennen oder aus einer engen Freundschaft. Hier kommt es meiner Meinung nach nicht selten zu Anflügen von Telepathie. Diese basiert meiner Meinung nach auf einer real energetischen Verbindung unserer Bewusstseine.

Der Streit zwischen "rechts" und "links" in dieser Gesellschaft ist zu großem Teil ein Streit um das "Wir". Man streitet darüber, wie dieses "Wir" genau beschaffen sein soll, welche Kriterien hier relevant sind, und auch gerne darüber, ob dieses "Wir" überhaupt real ist. Man streitet darüber, welchen "Wir"-Traum man träumen darf und welchen nicht. Der gegenwärtige Zeitgeist erklärt vor allem "rassistische", "völkische" und "nationalistische" Wir-Bildungen zu den "bösen" Träumen.

Für mich hat diese ganze Streiterei eine sehr seltsame Qualität. Das ganze Thema ist für mich zu weit im Geistigen, Subjektiven und Persönlichen zuhause, als dass ich mir erlauben würde, anderen etwas über erlaubte oder unerlaubte Wir-Bildungen zu erzählen. Für mich ist das immer eine Sache der persönlichen Wahl. Der Ich-Gedanke ist für mich prinzipiell von elementarer Unschuld und genauso ist es der Wir-Gedanke, der ja im Grunde fast das selbe ist, in jedem Fall ein Gedanke von persönlicher Qualität. Ich schreibe niemandem ein Ich-Bild vor und ich schreibe niemanden ein Wir-Konzept vor. Dies ist für mich sogar moralisch geboten. In meinem Geist meldet sich ein ziemlich deutliches: "Das macht man nicht. Das ist unfein. Das ist ein Eindringen in das Hoheitsgebiet von anderen Menschen." Ich sage Dir nicht, welche Smartphone-Farbe am besten zu Deiner Persönlichkeit passt, ich sage Dir nicht, welches Verhältnis Du zu Deinem Körper haben sollst, und ich sage Dir nicht, ob Du Dich in einem völkisch-nationalen Kollektiv (oder sonstigen) zuhause fühlen darfst oder nicht. Ich habe vielleicht die ein oder andere Empfehlung, aber niemals greife ich in Deinen psychischen Haushalt hinein und sage Dir, was Du in Bezug zu Dir selbst glauben sollst oder darfst.

Der Zeitgeist aber ist hier vollkommen anders eingestellt. Er bietet in manchen Bereichen eine geradezu fanatische Identifikationsfreiheit, wie z.B. neuerdings im Bereich der geschlechtlichen Identität mit bis zu 50(?) Geschlechtern bei facebook. Doch wenn es um das Wir geht, ist dieser Zeitgeist so restriktiv, dass er sogar schon wieder eine faschistoide Qualität hat. Die Moralisierung und Verurteilung der als "böse" betrachteten Wir-Bildungen ist so stark, dass der Respekt gegenüber dem individuellen Geist und der persönlichen Freiheit auf der Strecke bleibt. – Auch das ist eine grundsätzliche Note des Zeitgeists, hier allerdings reden wir über einen zeitlich viel größeren Bogen, über eine Mode, die uns schon seit Jahrtausenden quält: Es gibt schon seit dem Aufkommen der Religionen und ihren faschistoiden Glaubenszwängen, gestützt von ultimativen Drohungen, keinen tiefen Respekt vor dem Geist des Menschen. Nichts ist ja für den freien Geist eine größere Zumutung als: "Du sollst glauben…"; und wir dulden solche Zumutungen immernoch als seien sie normal – und nicht ur-faschistisch.

Es wäre schön, wenn man den Zeitgeist so deuten könnte, als würde man sich einfach mal intensiv dem "Ich" widmen wollen und daher alles, was zuviel auf ein "Wir" hinausläuft, ablehnt. Wenn der Zeitgeist sozusagen die tiefschürfende, spirituelle Selbst-Erkenntnis und die individuelle Freiheit fördern würde. Aber so konsequent ist er dann eben doch nicht. So tief motiviert ist er nicht. Eher geschieht alles aus einer mehr oder weniger glücklichen Verkettung von Gedankenprozessen, welche von sehr starken Heil-und-Unheil-Bewertungen gelenkt, bzw. hin- und hergeschubst, werden. Hierbei ist natürlich auch jede Menge Angst im Spiel, auch vorausgreifend. Auf einen Weg zu geraten, der vielleicht ins Unheil führen könnte, muss unbedingt vermieden werden. Also wird die Freiheit zur Not eben auch ein bißchen zuviel beschnitten. Besser zuviel als zuwenig.

Für mich ist die freie Wir-Bildung ein Elementarrecht, so wie die Meinungsfreiheit oder das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Im Grunde geht es hier ja jedes Mal um die gleiche Freiheit: die Freiheit des Geistes.

 

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Montag, 10. September 2018
Das intellektuale Gewissen – hat keiner…
Nietzsche, Friedrich, Die fröhliche Wissenschaft, Erstes Buch, 2. Das intellektuale Gewissen
http://www.zeno.org/nid/20009250506

Das intellektuale Gewissen. – Ich mache immer wieder die gleiche Erfahrung und sträube mich ebenso immer von neuem gegen sie, ich will es nicht glauben, ob ich es gleich mit Händen greife: den allermeisten fehlt das intellektuale Gewissen; ja es wollte mir oft scheinen, als ob man mit der Forderung eines solchen in den volkreichsten Städten einsam wie in der Wüste sei. Es sieht dich jeder mit fremden Augen an und handhabt seine Waage weiter, dies gut, jenes böse nennend; es macht niemandem eine Schamröte, wenn du merken läßt, daß diese Gewichte nicht vollwichtig sind – es macht auch keine Empörung gegen dich: vielleicht lacht man über deinen Zweifel. Ich will sagen: die allermeisten finden es nicht verächtlich, dies oder jenes zu glauben und darnach zu leben, ohne sich vorher der letzten und sichersten Gründe für und wider bewußt worden zu sein und ohne sich auch nur die Mühe um solche Gründe hinterdrein zu geben – die begabtesten Männer und die edelsten Frauen gehören noch zu diesen »Allermeisten«. Was ist mir aber Gutherzigkeit, Feinheit und Genie, wenn der Mensch dieser Tugenden schlaffe Gefühle im Glauben und Urteilen bei sich duldet, wenn das Verlangen nach Gewißheit ihm nicht als die innerste Begierde und tiefste Not gilt – als das, was die höheren Menschen von den niederen scheidet! Ich fand bei gewissen Frommen einen Haß gegen die Vernunft vor und war ihnen gut dafür: so verriet sich doch wenigstens noch das böse intellektuale Gewissen! Aber inmitten dieser rerum concordia discors und der ganzen wundervollen Ungewißheit und Vieldeutigkeit des Daseins stehen und nicht fragen, nicht zittern vor Begierde und Lust des Fragens, nicht einmal den Fragenden hassen, vielleicht gar noch an ihm sich matt ergötzen – das ist es, was ich als verächtlich empfinde, und diese Empfindung ist es, nach der ich zuerst bei jedermann suche – irgendeine Narrheit überredet mich immer wieder, jeder Mensch habe diese Empfindung, als Mensch. Es ist meine Art von Ungerechtigkeit.


Das intellektuale Gewissen hat keiner. Ich auch nicht immer. Aber ich glaube, ich darf sagen: Ich verstehe Nietzsche. Er ist irritiert, von all der Sorglosigkeit im Umgang mit Wahrheit, Wirklichkeit, Wert, Moral und Urteil. Da ist keine tiefe Leidenschaft in der Berührung der Wirklichkeit. Es herrscht dagegen reichlich Stumpfsinn in unser aller Geist. Der wirkliche Wert der Dinge interessiert uns wenig. Uns reicht eine mechanische Scheinwelt und ihre Eigendynamik.



Dies, um mal ganz weit auszuholen, bezüglich der Frage, wie es eigentlich um unsere Fähigkeit zur Objektivität, Neutralität und Unparteilichkeit steht.

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Sonntag, 9. September 2018
Realitätscheck - grundsätzlich
Was ist los mit uns? Wie viel Interesse an Objektivität haben wir eigentlich? Wie fair sind wir alle miteinander, fair im Geiste, wenn wir uns über etwas streiten?
Will der Mensch überhaupt Objektivität und Neutralität?

Ich stelle mir diese Fragen vermehrt, seitdem ich diesen Blog hier führe und seitdem ich mich zumindest auf Twitter ziemlich umfassend an die "rechte Blase" angeschlossen habe (aber nicht nur). Ich meine, ich darf auf eine hartnäckige Gespaltenheit der Gesellschaft schließen, denn fast nirgends sehe ich Ausgewogenheit, nirgends sehe ich Brückenbauer, fast nirgends höre ich mal ein paar selbstkritische Töne. Doof sind immer nur die anderen. Chemnitz ist entweder ein weiteres Zeichen für die "unverantwortliche Flüchtlingspolitik" der Kanzlerin, oder es ist der rechte Albtraum mit "Hetzjagden" und "Progrome"…

Wir können uns noch nichtmal richtig darüber einig werden, was in diesem Video von Antifa Zeckenbiss zu sehen ist. Ein Video, perfekt reproduzierbar und für uns alle eigentlich "gleich" wahrnehmbar!

Wie schlimm ist das, was wir dort sehen? Wie häßlich ist es? Welchen Titel hat dieser Vorfall am besten verdient?

Ich habe versucht, mich ins Juristische zu flüchten: "Androhung einer Straftat (Körperverletzung)" – was für sich erstmal nur eine Ordnungswidrigkeit ist. Aber das gibt es auch nicht wirklich gut wieder. Diese Art von "Verstehen" kommt dem Menschen nicht genügend nah und lässt auch einiges an Qualitäten unter den Tisch fallen.

Aber ich finde wirklich – ganz ehrlich und ohne böse Verharmlosungsabsicht –, dass Begriffe wie "Jagd" oder "Pogrom" mindestens eine Liga zu hoch gegriffen sind.

Und so tendiere ich schon allein aus dem Bestreben heraus, für "Ausgleich" zu sorgen, zu milderen Bewertungen. Ich sage mir: "Immerhin wurde dort keiner zu Boden gebracht und dann mit Fußtritten ernsthaft verletzt." Und mit ein bißchen Zynismus: "Im Grunde ist das doch schon fast vorbildlich. Da geht es auf manchem Schulhof schlimmer zu. Dort wird nicht immer von einem Opfer abgelassen, sobald es am Boden liegt oder wegrennt." Ich denke sogar an Zidanes Kopfstoß, der in dieser Hinsicht ja auch vorbildlich war.
(Dies auch um zu demonstrieren, wie anders man denken kann – wenn man es nur will…)

Für mich zeigt das Video von Antifa Zeckenbiss im Grunde eine schnell "abgebrochene Attacke". Nicht mehr und nicht weniger.

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Dienstag, 28. August 2018
RD3
#Chemnitz
Kann man denn noch nichtmal für einen der "seinen" demonstrieren, ohne gleich von irgendwelchen pseudotoleranten Hornochsen "Nazi" oder "fremdenfeindlich" genannt zu werden? Insbesondere, wenn es sich um einen Todesfall handelt?

Dies in aller Allgemeinheit gefragt, ohne Bezug auf die vielen konkreten Zwischenfälle zu nehmen, von denen einige gewiss zu verurteilen sind. Warum kann eine Gesellschaft nicht auch tolerant gegenüber einem "völkischen Bewusstsein" sein? ("Völkisches Bewusstsein" z.B. in dem Sinne, dass man das eigene Volk als eine Art Großfamilie betrachtet. – Die meisten Menschen sind Familienmenschen…)

Selbst wenn man meint, dass dies kein guter Weg für den Menschen ist. Es gibt trotzdem unschuldige Formen eines solchen Bewusstseins, und ein Mensch, der in einem solchen lebt, erlebt nunmal Trauer und den Eindruck, angegriffen zu werden, wenn einer der "seinen" tot geschlagen wird. Ist es nicht absolut vermessen, einem solchen Menschen zu sagen, sein Fühlen und Denken seien falsch, sogar böse? Und obendrein noch seine Trauer und Wut gering zu schätzen, ja zu verachten? Ich glaube, diese linke Art von psychischer Gewalt, Übergriffigkeit und Arroganz wird das Problem gewiss nicht lösen.

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Freitag, 29. Juni 2018
Bedürfnisse in der Politik, Homoehe, Menschenrechte – (Was ist Diskriminierung?)

A) "Wir schufen uns die Ehe, weil wir ein Bedürfnis danach hatten."

B) "Wir schufen uns die Homoehe, weil wir ein Bedürfnis danach hatten."

 

Im Fall B ist die Bedürfnislage etwas komplizierter. Denn mehrheitlich haben "wir" – die wir überwiegend Heteros sind – ja nicht das direkte Bedürfnis nach Homoehe. Unser mehrheitliches Bedürfnis ist hier eher das Streben nach Idealvorstellungen wie "Toleranz", "Nicht-Diskriminierung" und "moralischer Perfektion". Und/Oder das Streben nach einem friedlichen und freundlichen Miteinander mit unseren homosexuellen Mitbürgern.

Ich bejahe die Homoehe, weil ich vor allem das Bedürfnis sehe, anerkannt werden zu wollen, in einem Bereich, der stark persönlich bis stark intim ist, und der im allgemeinen mit zum Heiligsten gehört, was der Mensch zu bieten hat: Liebe. Dies anzuerkennen, ist wiederrum ein Bedürfnis von mir. Und ich werde ein Teufel tun, mich auf die Albernheit und den doch blasphemischen Größenwahn zu versteifen, hier irgendwelche Schubladen von Liebe aufzumachen, die von vorn herein besser oder schlechter sind. Die Liebe ist immer so heilig, wie die Liebe eben sein kann. Man kann es als Außenstehender niemals beurteilen.

Allerdings habe ich auch das seltsame Bedürfnis, darzulegen, dass es nicht unbedingt als "Diskriminierung" zu betrachten ist, wenn eine Gesellschaft Homosexuellen kein Ehe-Angebot macht. Ich finde es zwar "überwiegend falsch". Die Logik des Diskriminierungsvorwurfes fußt aus meiner Sicht allerdings auf ein paar seltsamen Prämissen, welche nicht wirklich zwingend sind.

Denn zuerst einmal sind Homosexuelle nichts anderes als Menschen mit anderen Bedürfnissen. Nicht mehr und nicht weniger. Und eine andere Bedürfnislage begründet noch nicht automatisch einen Anspruch auf Anpassung der rechtlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Das ist offenkundig, zumindest wenn es um mein Bedürfnis geht, Graß auf Rezept in der Apotheke kaufen zu können. Oder wenn es um das Bedürfnis des Veganers geht, in den Restaurants seiner Stadt auch ein auf ihn zugeschnittenes Angebot zu bekommen. Veganer haben das Recht, wieder jeder andere auch, zu bestellen, was sie mögen, und wenn sie nichts mögen, weil nichts vegan ist, dann ist das erstmal ihr Problem. Vor dem Gesetz und der Restaurantkarte sind alle Menschen gleich.

In der linken Diskriminierungslogik hat sich nach meinem Ermessen eine Sichtweise breit gemacht, die Homosexuelle fast zu so etwas wie einer anderen Menschenart macht. Und dass sie aufgrund dieses Statusses automatisch das Recht auf "ihre Homoehe" erwerben. Aber letztlich ist das von vorne bis hinten nur eine willkürliche Festlegung, ein Denken, das aus Prämissen besteht.

Ich behaupte, das einzig wesentliche Argument für die Homoehe besteht in der Tiefe des Bedürfnisses von Homosexuellen. Denn es gibt Bedürfnisse, die sind so tief und fundamental, dass sie Rechte begründen. Je tiefer ein Bedürfnis in der Seele sitzt, desto mehr Macht und Recht soll es haben. Ich behaupte, dass der ganze Kanon von Menschenrechten letztlich keinen anderen Grund hat. Es ist niemals ein "logischer".

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Freitag, 16. März 2018
Nicht-Rassismus ist natürlich

Es quietscht und knirscht im Gebälk, wenn man den Satz "Rassismus ist natürlich" hört, davon gehe ich aus. Der Satz tut weh, er tut mir weh. Und doch muss ich ihn schreiben, denn das ist hier gewissermaßen das Konzept: Grenzübertretungen ohne Rücksicht auf Verluste. Der Konformismus des Mainstreams, offensichtlich angetrieben vor allem von Feigheit, macht mich aggressiv bis selbstzerstörerisch. Realität darf nur noch lieb und nett sein. Dieses Weichspülprogramm ist unerträglich. Die massive Bevorzugung von angenehmen Wahrheiten zu ungunsten der unangenehmen ist eines erwachsenen Lebens nicht würdig.

Aber da ich meine Hausaufgaben ja jetzt gemacht habe, kann ich auch mal lieb sein und nocheinmal eine bequeme Wahrheit servieren:

Nicht-Rassimus ist selbstverständlich auch natürlich, vollkommen natürlich – und in ganz vielen Aufeinandertreffen zwischen zwei Homo Sapiens eine Selbstverständlichkeit. Es ist in diesem Sinne nichts, das man fördern oder anerziehen muss.

(Anti-Rassismus dagegen ist oft etwas Unnatürliches.)

Wo liegt also das Problem?

Offensichtlich läuft irgendwas im Kopf schief.




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Mittwoch, 14. März 2018
Rassismus ist natürlich (2)

Fortsetzung / Nachtrag zu "Rassismus ist natürlich (1)"

1.

Als ich das erste Mal die These "Rassismus ist natürlich" formulierte, hatte ich das Gefühl, ich betrete einen dunklen Wald voller gefährlicher Tiere. Einen verbotenen Ort, den aufzusuchen, nicht nur gefährlich für einen selbst ist, sondern auch ein böser Akt an sich. Oder: Ich fühlte mich, als hätte ich mich geistig ins Weltall geschossen. In eine unerschlossene Welt, in der es keinen Halt gibt. – Es brauchte lange, bis ich diese These einfach nur nüchtern als Faktum behandeln konnte.

Die These verließ das erste Mal meinen Mund, als ich mich auf Englisch mit einem russischen Freund unterhielt und er mir von seinen Erfahrungen in den USA berichtete. Er erzählte von seiner Erfahrung in einem Betrieb, in dem es zwei Pausenräume gab. Aus irgend einem Grunde (–) spaltete sich die Belegschaft hier deutlich nach Rassen auf. Die Weißen nutzten alle den einen Raum, die Schwarzen den anderen. Ihm selbst fiel das erst gar nicht auf. Er setzte sich geitesabwesend in einen Raum und bemerkte dann irgendwann, dass er "weird looks" (seltsame Blicke) abbekam. Dann fiel es ihm auf: Er war der einzige Weiße im "Raum der Schwarzen"! Sie waren zwar alle nett zu ihm und es gab keinerlei aggressive Ausgrenzung, aber offensichtlich erzeugte er eine Art von Irritation, die man nicht gänzlich verheimlichen konnte.

Mein russischer Freund wunderte sich auch allgemein über die Kultur in Amerika. Er wunderte sich über die Tatsache, dass die Ethnien dort zum großen Teil separiert sind, während sie gleichzeitig in einer Art positivem Nationalismus geeint sind. Ob Schwarze, Weiße oder Hispanics, viele von ihnen würden mit Stolz von ihrer Nation reden.

Als er mir das alles erzählte, sagte ich: "Maybe, racism is natural."

Mein russischer Freund entgegnete: "Strange things are coming from you, today!" (Offensichtlich hatte ich schonmal etwas Unerwartetes an diesem Tag von mir gegeben.)


2.

Die Aussage "Rassismus ist natürlich" muss nicht unbedingt als eine positiv wertende oder den Rassismus entschuldigende Aussage begriffen werden. "Natürlich" ist für den Menschen unter gewissen Umständen ja auch die rauschhafte Mordlust, aber das heißt nicht, dass wir sie gut finden müssen. Weiterhin ist auch eine gewisse Faulheit, Trägheit und Ignoranz unter den Menschen "natürlich", aber uns ist genauso "natürlich" klar, dass wir diese fragwürdigen Eigenschaften im Zaum halten müssen. Ähnlich verhält es sich z.B. mit Ängstlichkeit und Feigheit: Es sind dies in gewissem Sinne ganz "natürliche" Eigenschaften des Menschen. Aber der Mensch ist dazu geboren, auch im geistigen Sinne zu wachsen und diese "Schwächen" hinter sich zu lassen. – Vielleicht sollte man "Rassismus" ganz ähnlich betrachten?… Vielleicht nicht?…

Ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema scheint aber nicht möglich. Man geht lieber den Weg, Rassismus zu verteufeln, zu verbieten und zu unterdrücken. Hier kommt offensichtlich wieder die "natürliche" Angst des Menschen ins Spiel: Denn was könnte nur alles passieren, wenn wir den "Rassismus" nicht mehr wie bisher bekämpfen, wenn wir ihn nicht nur als schlechte Sitte betrachten, sondern als zumindest partielles Naturphänomen?

Oder sind wir heute schon so weit, sagen zu können?: Nun gut, im Sinne eines Strebens nach oberflächlicher Ähnlichkeit, im Sinne eines Strebens nach ähnlichen Menschen, ist "Rassismus" nunmal natürlich. Der Mensch, der täglich in den Spiegel guckt, und sich über Falten, Pickel, graue Haare und andere Schönheitsmakel aufregt, – aber dabei fast nie an den ganzen Menschen zu diesem Gesicht denkt, an sein Innenleben und seine Seele –, der ist nunmal so primitiv. Was soll's. In das menschliche Auge fällt vor allem die Oberfläche der Dinge. Und Oberfläche ist für uns in so vielen Situationen die ganze Realität!

Für Details bemühe man die Wahrnehmungspychologie. Was unseren Wahrnehmungsapparat dazu verleitet, Unterklassifikationen einer gleichen Art aufzumachen, und diesen dann einen eigenen Namen zu geben, erfrage man von dieser Disziplin. Dass wir Menschen mit schwarzen Haaren nicht notwendigerweise in eine eigene Rasse packen, aber von einer Vielzahl von anderen Äußerlichkeiten, die noch hinzukommen (Hautfarbe, Form der Nase, Haare, Kiefer, Stirn, Augen), dann dazu verleitet werden, hier einen eigenen Typus zu sehen, – das scheint mir zum Teil sehr subtilen Wahrnehmungsgesetzen zu gehorchen. Dass unsere Wahrnehmungsgewohnheiten teilweise auch konditioniert / sozial geprägt sind, widerspricht dem nicht. (Wie und warum sind diese Wahrnehmungsgewohnheiten entstanden?)

Biologisch genetische Fakten, die angeblich nahe legen, dass es "in Wirklichkeit" ja gar keine Rassen gäbe, sind jedenfalls irrelevant. Diese Sichtweise unterschlägt, dass es für den Menschen in seiner subjektiven Wahrnehmungweise nunmal Gene gibt, die bedeutsamer sind als andere: nämlich alle diejenigen, welche über das äußere Erscheinungsbild entscheiden. Offensichtlich vererben sich diese Faktoren innerhalb einer Rasse ja mit lückenloser Kontinuität. Die Rasse ist und bleibt eine wahrnehmungspsychologische Tatsache, welche für den Menschen eine gewisse Bedeutsamkeit hat bzw. haben kann.

Die Existenz von Rassen aufgrund von genetischen "Fakten" zu leugnen, ist Ausdruck einer neumodischen, menschlichen Eigenschaft, die ich übrigens nicht für natürlich halte: Ich nenne sie "Überrationalität" oder auch "Verkopftheit". Grob gesprochen, tun sich die Menschen von heute schwer damit, eine gesunde Mitte zwischen subjektiven Denken und objektiven Denken zu finden. Der Wille, sich an objektiv wissenschaftlichen Fakten zu orientieren, kann auch über das Ziel hinausschießen. Wie am Beispiel des Rassenthemas gut zu erkennen, führt das dazu, dass man die elementaren Bedürfnisse des Menschen und seine eigentümliche Wahrnehmungsweise vergisst. Man vergisst, was für den Menschen in seiner Wahrnehmungswelt praktisch von Bedeutung ist. – Und es ist ja nicht gerade glaubwürdig, die Existenz von Rassen nur für den Menschen zu leugnen, während man in der gesamten Tierwelt an dieser Einteilung festhält… Offensichtlich ist der Mensch ist in seiner Selbstwahrnehmung befangen. Ein "typisch menschlicher" Angstkrampf fordert hier ganz selektiv eine strenge Verschiebung der Wahrnehmungsmaßstäbe ein, sobald es um die eigene Spezies geht.

Die Betrachtung der Natur in ihrer Gesamtheit ergibt aber auch, dass es nicht nur eine "verfehlte" menschliche Eigenschaft ist, stark auf Äußerlichkeiten zu setzen. "Die Natur selbst" hat ein stark ausgeprägtes "Oberflächenbewusstsein". Sie spielt dieses Spiel in 1000-fachen Formen: Die Prahlerei von Tieren mit ihrem Äußeren bei der Partnerwahl, das Tarnen von Tieren durch Farbanpassung, die Irreführung von anderen Tieren durch Verstellung, das Sich-Tot-Stellen, um sich uninteressant zu machen, der Symmetrie-Sinn in der Konstruktion der Lebewesen, welche gleichzeitig, was die innere Lage der Organe angeht, asymmetrisch sind: Man sieht, wie es in der Natur und in vielen Lebewesen offensichtlich auch ein Bewusstsein für die Außenwirkung der eigenen Erscheinung gibt, ein Bewusstsein für die eigene "Gestalt". Offensichtlich hat dieses Bewusstsein in der Natur auch bei der Evolution der vielen Arten und Unteraten mitgewirkt. – Es geht nicht immer nur um das Überleben, den Kampf und die zufällige Mutation. Die Darwin'sche Sichtweise ist beschränkt. Es ist in der Natur immer auch ein Spieltrieb am Werk gewesen. Eine Lust an unterschiedlichen Farben und Formen. Die Natur ist ein großer Künstler (oder das Werk von tausenden Künstlern) – welcher Rassen geschaffen hat. Seien wir nicht so verbohrt, und weisen ausgerechnet diesen Aspekt zurück. Abgesehen davon, dass diese Zurückweisung auf einem inneren Konflikt basiert, der nicht natürlich und nicht gesund ist: Man bringt sich damit auch um einen Teil des Genusses in diesem großen Kino.


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Montag, 5. März 2018
Rassismus ist natürlich (1)

Wissenschaftliche Befürworter einer Frauenqoute in der Berufswelt argumentieren: Ähnlichkeit ist eine Art Sympathiebonus bei der Einstellung von Bewerbern. Weil die Personalentscheider so oft Männer sind, führe das aufgrund der Bevorzugung von Ähnlichen eben dazu, dass Männer bei der Einstellung bevorzugt werden…

Man muss mit dem "Rassismus" also als eine natürliche Kraft rechnen, die die menschliche Gesellschaft durchzieht und in einem gewissen Maße wirkt. Daneben gibt es natürlich noch andere Kräfte, viele andere Motivationen, die diese Kraft überlagern und häufig überstimmen. Und es gibt ja auch die Gegenkraft, die Lust am Andersartigen. Unterm Strich bleibt aber bestehen, dass der Ähnlichkeits-Trieb zur Geltung kommt und sich in der Gesellschaft erkennbar ausdrückt. Und wenn "nur" in der Partnerwahl.

Warum wirkt ein Ähnlichkeits-Trieb in uns? Wohl als Folge von Selbst-Verliebtheit und Schwäche, die uns das Vertraute suchen lässt. Er ist also vielleicht kein "Ur-Trieb".



Und was macht man nun mit der Erkenntnis, dass "Rassismus" natürlich ist?

Man sollte noch eine andere Erkenntnis hinzu nehmen: Dass diese Triebe in dem Maße in den Hintergrund rücken, in dem sich das Individuum geistig in die Höhe entwickelt. Je höher das Individuum steht, desto unwichtiger wird ihm oberflächliche (an Körpertypen orientierte) Ähnlichkeit. Multikulti verlangt eine gewisse Mindestentwicklungshöhe.

Schlussfolgerung: Wer Multikulti will, der muss eine Erziehung in den Schulen gewährleisten, die die Schüler nicht nur mit Wissen und Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt ausstattet, sondern die auch die "innere Entwicklung" des Menschen fördert. Ich meine damit nicht Ethikunterricht und das Herunterbeten des moralischen Grundsatzes "Rassismus ist böse", sondern eine fundamentale Förderung der Seele und der geistigen Substanz des Menschen. Vielleicht durch Maßnahmen wie Meditationsangebote, Philosophie, Psychologie, Selbst-Erfahrung und Schauspielunterricht, oder einfach durch eine freundliche, den Menschen einladende Atmosphäre an der Schule.

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Sonntag, 25. Februar 2018
Bibel umschreiben!

Ich möchte die Bibel umschreiben.

Woimmer "Liebe Deine Feinde!" steht, möchte ich ein "Verstehe Deine Feinde!" anfügen.

Ich möchte es sogar vorn anstellen:

1. Verstehe Deine Feinde.

2. Liebe Deine Feinde.

Zuerst die mentale Berührung im Geiste. Der Einsatz von Vorstellungskraft. Dann eventuell die Liebe.

Oder: Liebe und Verstehen lassen sich gar nicht sauber trennen. Im Akt des Verstehens und offenen Wahrnehmens ist bereits "Liebe" enthalten. Es ist eine sehr leise, feine Liebe.

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