Ich bin ja grundsätzlich sehr offen für individuelle Kommunikationsstile. Ich versuche die Normierung von Sprache und Symbolen zu vermeiden, wo es nur geht. Es hat für mich einen faschistoiden Touch, Sprache zu normieren, wo es nicht unbedingt nötig ist. Allein schon deswegen, weil die Natur der Sprache eben so beschaffen ist, dass sie einen starken individuellen Pol hat. -- Doch es gibt Grenzfälle, bei denen ich die Interpretation eines durchschnittlichen Lesers ansetze, und nicht anders kann, als diese Quasi-Objektivität für verbindlich zu halten. Manchmal muss man eben wirklich darauf achten, was bei den anderen ankommt. Und wenn es nur Teile der Sprachgemeinschaft betrifft.
Ich kann mir dieses ziemlich fragwürdige Manöver nicht anders erklären, als dass das BSW auf Stimmenfang im propalästinensischen Lager geht.
Dass die israelische Regierung für ihre Kriegsführung und ihre "Landesverteidigung" schärfstens zu kritisieren ist, liegt für mich auf der Hand. Ich kann auch verstehen, dass man dafür Provokationen einsetzt. Aber diese Art von Provokation scheint mir zuviel Nebenwirkungen zu haben.
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Ich plädiere für eine einfachere, klarere Definition von "Völkermord": Jede Massenabschlachtung, ob vorsätzlich oder fahrlässig, von Zivilisten, die mehr als 300 Opfer zählt.
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https://twitter.com/ainyrockstar/status/1694405414803120159
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Wieviel Prozent von beleidigten Negern, Almans, Kanaken, Zigeunern, Kopftuchmädchen, Kümmeltürken und Kartoffeln brauchen wir, sollten wir brauchen, um als Sprachgemeinschaft mit einer Verhaltensänderung zu reagieren?
Wann ist es angemessen zu reagieren? Wann ist es geboten?
Reicht es vielleicht schon, wenn nur 33% aller Neger/Kartoffeln/Kümmeltürken beleidigt sind?
Und wollen wir auch versuchen, die Intensität des Beleidigt- oder Verletzt-Seins zu berücksichtigen?
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Allgemeine Verfahrensregeln, die man unabhängig von Rasse oder Herkunft der adressierten Menschengruppe anwendet, wären eine feine Sache. Dass eine Sprachgemeinschaft einen zivilisierten und transparenten Modus findet, um Sprachstandards wirksam zu ändern. Bisher haben wir keinen ordentlichen Entscheidungsmodus. Es gibt nur irgendwelche Interessengruppen, die sich lautstark und scheinbar im Besitz aller moralischen Vollmachten in den Vordergrund spielen. Es gibt jede Menge einzelne Akteure, die ihre Forderungen laut kundtun. Ich weiß leider nur sehr selten, wie repräsentativ diese Akteure sind. Ich würde mir da mehr gesellschaftliche Transparenz wünschen. Hergestellt z.B. durch ein statistisches Bundesamt, das bundesweit detaillierte Umfragen mit betroffenen Menschen durchführt. Dann könnte ich z.B. nachlesen: "30% aller Sinti und Roma lehnen den Begriff Zigeunerschnitzel ab." (Das ist jetzt rein fiktiv; es können in Wirklichkeit mehr oder weniger sein. Ich weiß es nicht.)
Ich würde mir wünschen, dass wir diese Fragen weniger auf der moralischen Ebene verhandeln und mehr auf eine demokratische, kommunikative und empiriegestützte Weise. Als Moralisten sind die meisten heutigen Menschen immer gleich im Kriegszustand. Sie kommen mit absoluten Forderungen und dem unerschütterlichen Glauben, dass sie im Recht sind. Der Fehler beginnt schon an dem Punkt zu glauben, man selbst habe die eine wahre Bedeutungsbelegung eines Wortes. Ausgestattet mit dem "Wissen", dass dieses oder jenes Wort rassistisch oder beleidigend oder ausgrenzend sei, gibt es dann kein Halten mehr.
Aus sprachpsychologischer Sicht aber verhalten sich die Dinge etwas anders: Worte haben keine objektive Bedeutung. Sie haben nur die Bedeutung, die wir ihnen geben. – Dies ist eine der offensichtlichsten Eigenschaften der Sprache, und doch wird sie ständig übersehen. Oder sie wird verdrängt. Für mich gibt es kaum eine größere Albernheit als zu meinen, dieses oder jenes Wort habe "objektiv" diese oder jene Bedeutung mitsamt irgend einer objektiven Wertung. Zu glauben, dass es nicht anders sein könne. Zu glauben, dass Worte und Wortbedeutungen zwingend irgend einer Logik (der eigenen) unterworfen wären. – Ein Kind könnte das Wort Neger/Alman/Kanake benutzen und es würde es voller Unschuld benutzen.
Kann es vielleicht sein, dass die Menschen sich eine starre Sprache wünschen, weil sie selbst auf starre Weise denken? – Oder dass hier einfach das politische Engagement überschießt? Die Absicht, Gutes zu tun, ist so überschwer, dass man es im Eifer des Gefechts einfach nicht mehr schafft, der Realität Rechnung zu tragen? Das psychologische Bedürfnis zu handeln und etwas zu tun, etwas in der Welt zu bewegen, sich gegen "Rassismus" einzusetzen, ist so groß, dass man sich irgend ein Handeln geben muss. Und da sieht man dann das Feld der Sprache vor sich als ein willkommenes Betätigungsfeld. Und man stürmt los.
Auslöser dieses Beitrags:
Die Talkshow "Die letzte Instanz" und die Reaktionen darauf…
WDR-Sendung kassiert Shitstorm (welt)
Quattromilf (twitter)
Eine Entschuldigung reicht nicht mehr aus (stern)
Nicht über Menschen sprechen, sondern mit ihnen (uebermedien.de)
WDR gibt Fehler zu (spiegel)
Entschuldigungen von Talkshow-Master und -Gäste (welt)
Thomas Gottschalk schweigt (t-online)
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Normalerweise verteidige ich hier ja eher die AfD in solchen Angelegenheiten. Vielleicht bin ich mit ihr auch manchmal etwas zu gutwillig.
Daher heute mal ein Beispiel aus der CDU. Merz' angebliche Homophobie:
https://twitter.com/ronzheimer/status/1307936055237185536
Jeder Durchschnittsintellekt sollte hier mehrere mögliche Interpretationen finden.
Ich wähle hier die positivste Interpretation und glaube, dass ich der Person Friedrich Merz damit gerecht werde.
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Wie niedlich das klingt! Doch das Verhalten ist lediglich Ausdruck eines primitiven Egoismusses. Jeder ist sich selbst der Nächste. Das gilt offenbar auch für Gutmenschen.
Ich hätte auf's Hamstern ganz verzichtet, hätte ich nicht vor leeren Regalen gestanden. Nun habe ich mich auch ein klein wenig eingedeckt. Ich versuche wenigstens Maß zu halten, nicht zu übertreiben.
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Am Sonntag ist EU-Wahl. Das manipulative Wort »Europawahl« ist Propaganda. Die US-Wahlen sind ja auch keine »Amerikawahl«, die Wahlen in Bayern sind keine »Deutschlandwahl« und wenn es Wahlen in China gäbe, wäre es noch immer keine »Asienwahl«.
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Man muss den Prozess mal in seiner ganzen psychologisch elementaren Wirklichkeit sehen: Wir stehen alle vor dem gleichen Wort, den gleichen Worten, – und schlagen von dort unterschiedliche Wege des Assoziierens und Meinens ein.
D.h. also die gleichen Worte bedeuten für uns jeden etwas anderes. Natürlich immer auch graduell. Das ist kein Feld absoluter Beliebigkeiten. Aber vom Grundsatz und mindestens in der Feinjustierung der Assoziationen gilt dies immer.
Und so gibt es also Leute, die vor den Worten "Hitler war nur ein Vogelschiss" stehen und daraus machen: "Der millionenfache Massenmord war nur ein Vogelschiss" – und es gibt Leute, die diesen Assoziationspfad nicht einschlagen. Erstere regen sich natürlich heftig auf. Letztere in der Regel nicht, außer sie finden auf ihrem individuellen Pfad Gründe dafür.
Und ganz offensichtlich – das muss auch in aller elementaren Klarheit gesehen werden – gibt es hier sehr häufig Nebenmotiviationen. Und nicht selten sind es diese Nebenmotivationen, die den Ausschlag dafür geben, ob man zu der einen Sorte von "Verständigen" gehört, oder zu der anderen.
Nebenmotivationen sind es, die einen dazu treiben, sich allen Ernstes auf den Standpunkt zu stellen: "Meine Interpretation der Worte ist die einzig richtige!"
"Was hat mein Gegenüber wirklich sagen wollen?" – Soweit ich das betrachte, ist es sehr selten, dass eine Kommunikation über Politisches oder Moralisches von einer solch reinen Motivation angetrieben ist. Ein Machtinstinkt in uns – und Macht gehört mit zu den stärksten Motiven in uns, vor allem im moralischen Bereich – gibt uns schon ziemlich früh Signale darüber, welche Assoziationen für uns in diesem Fall von Vorteil sein werden – z.B. nämlich um seinen politischen Gegner angreifen zu können. Indem ich die Worte meines Gegners bewusst auf eine ganz bestimmte Weise interpretiere, kann ich es z.B. "nachweisen" (haha), dass er eine schlechte moralische Gesinnung hat, und dass ich daher der Überlegene bin und mit allen meinen politischen Anliegen Vorrang genießen sollte.
Was Kommunikation sein sollte, ist also stattdessen häufig nur ein Machtkampf. Und der Machtkampf mit der Sprache verläuft stets so, dass wir zu allererst damit beginnen, die Sprache starr zu machen – eben immer da, wo es zu unseren Gunsten ist.
Aber das ist irgendwie auch ein recht kindisches Spiel. Denn wir spielen dieses Spiel nicht nur so weit, wie es (manchmal eben) nötig ist, sondern wir übertreiben damit grundsätzlich. Wir treiben es gerne so weit, dass wir uns selbst darin verlieren, und uns immer wieder allen Ernstes auf den Standpunkt stellen, dass man hier oder dort nun wirklich nicht mehr anders denken kann, als wir es tun. Dieses Wort ist so zu interpretieren, dieses Wort so, – und am Ende kommt unsere einzig richtige Interpretation des Gesagten mit einer Notwendigkeit heraus als würde man eine Mathematik-Aufgabe lösen, und das haben bitte alle anzuerkennen. Das nenne ich kindliches Verhalten.
Und dann kommt folgender Schlachtruf auf: "Die Maske ist gefallen!" Spätestens jetzt ist die Maske "für jeden sichtbar" gefallen! Spätestens jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Spätestens jetzt musst Du der AfD den Rücken kehren. Weil sie da vor uns liegen, diese beiden Worte "Hitler" und "Vogelschiss", und weil es hier überhaupt keine andere Deutungsmöglichkeit gibt als die unsere.
Was man hier im Grunde nur tut: Selbst-Bestätigung. Man konstruiert sich gedanklich Bestätigungen seiner eigenen Sichtweise, indem man sich vormacht, von seinem Gegner absichtlich oder unabsichtlich bestätigt worden zu sein.
Aber wie oft hat man schon einen solchen Sieg über die AfD ausgerufen? – "Demaskiert!", "Jetzt ist aber wirklich die rote Linie überschritten!", "Jetzt ist sie wirklich untragbar!", "Für jeden sichtbar" – Ich sage, dies hilft auch diesmal nicht, um mit dem "Problem AfD" fertigzuwerden. Denn letztlich sind alle Signale, die wir aussenden, in unserem Gegner nur so kraftvoll, wie er sie auch in sich hineinlässt.
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Was anderes ist es natürlich, dass es heute immernoch Zeitzeugen und Überlebende der Shoa gibt, die aufgrund ihrer persönlichen Verquickung und traumatischen Erfahrung es nur schwer ertragen können, einen Satz wie "Hitler war nur ein Vogelschiss" zu hören. An diesem Punkt kann man Gauland natürlich einen Vorwurf machen, denn diese Menschen haben wirklich einen handfesten Grund für eine eventuelle Unfähigkeit, sich für die wahre Aussageabsicht zu interessieren, wenn sie mit bestimmten Bildern konfrontiert werden. Daher könnte ich das Urteil bejahen, dass Gauland sich unhöflich und unanständig verhalten hat – eben in Hinsicht auf diese besondere Gruppe. Aber es sollte für Außenstehende, also praktisch die gesamte Gesellschaft, nicht nötig sein, die Kontexte hier durcheinander zu schmeißen und Gauland die Aussageabsicht "Millionen getötete Menschen sind nur ein Vogelschiss" unterzuschieben. Das ist einfach nur affig, peinlich, triebgesteuert und unreflektiert.
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Wie man sich auf Sprache stürzt und sich an jedem einzelnen Wort festhält:
https://twitter.com/dunjahayali/status/1003895192687120386
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"Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber… "
"Ich habe ja nichts gegen Flüchtlinge, aber… "
"Ich habe ja nichts gegen Menschen, aber… "
Wir befinden uns in einer Situation, in der schon gewisse Formulierungsschemata an den Pranger gestellt werden. Wer ein Satz mit "aber" gebraucht, wie oben, der ist ein Menschenfeind! – diese Sitte scheint sich gerade herauszubilden, bzw. sie hat sich schon herausgebildet.
Ich finde das höchst problematisch, vor allem in Anbetracht der grundsätzlichen Funktion des Wortes "aber" – dient dieses Wort doch prinzipiell als Differenzierungsinstrument. Darf man folgern, dass der Mainstream eben kein Interesse an differenzierten Aussagen hat? Dass ihm Differenzierung überhaupt nicht so viel liegt, wenn es um Gut und Böse geht? – Bei der Moral hört der Spaß und die Toleranz für Andersdenkende auf. Und das ist ja auch irgendwie logisch, liegt in der Natur der Sache. Die Guten wollen die Bösen unterdrücken. Sie betrachten gerade das als ihre "gute Tat".
Aber: Den Menschen selbst, die dieses Wort "aber" in obiger Weise gebrauchen, tut man häufig Unrecht. Selbst, wenn man sich inhaltlich auf den Standpunkt stellt, dass sie da etwas Unausgegorenes von sich geben. In den meisten Fällen, wenn ein solcher Satz mit "aber" fällt, sehe ich einen guten Willen dahinter, ein aufrichtiges Bemühen, sich differenziert auszudrücken. Ich sehe keine Lüge im Anfangssatz "Ich habe ja nichts gegen XY…", sondern Ehrlichkeit. Und ich sehe Ehrlichkeit in dem, was danach kommt. Zuerst die positive Aussage, dann eine graduelle Einschränkung, die möglicherweise auch ein Ausdruck der eigenen Begrenztheit ist und ein Anmelden eigener Ansprüche und Bedürfnisse. Man ist nunmal nicht uneingeschränkt opferbereit.
Wer sich hier empören will, der kann sich immer auch über sich selbst empören.
Ich habe ja nichts gegen Menschen…
aber
so sehr ans Herz gewachsen, dass ich auf meinen nächsten Urlaub verzichte, oder auf meine Absicherung im Alter, oder mein neues Auto, meinen neuen Computer, mein eigenes Haus, meinen ausschweifenden Lebensstil, etc., etc., sind sie mir eben doch nicht. Gewiss könnte ich all mein Erspartes spenden – aber ich tue es nicht, weil meine Liebe begrenzt ist.
Für wen gilt dieser Satz nicht?
Ich finde, man sollte schleunigstens mit dieser neuesten Unsitte aufhören, diese Sätze mit "aber" grundsätzlich zu verteufeln. Das ist ja schon allein deswegen bescheuert, weil es die Schablonenhaftigkeit unseres Denkens und Urteilens verstärkt. Unser Denken ist schon schablonenhaft genug.
Aber die "Guten" von heute scheinen genau das zu wollen. Überall sollen klare Orientierungsmarken gesetzt werden, damit auch jedermann zu jederzeit weiß, wo gut und wo böse liegt. Es wäre ja auch viel zu anstrengend, jedes Mal genau zuzuhören und selbst nachzudenken, geschweige denn zu differenzieren. Wer das Böse bekämpfen will und seine Waffen auf die bösen Menschen abfeuern will, der braucht zuerst einmal eine klare Zuordnung von Gut und Böse.
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