Mittwoch, 20. November 2019
Geistfeindlichkeit (1)


"Geistfeindlichkeit", so ist es mir kürzlich bewusst geworden, ist mein eigentlicher "Feind"; das Gegenteil mein eigentliches Anliegen. Ich lehne alles ab, was den Geist und seine Entwicklung einengt, behindert, verhindert, abstumpft, schädigt, verdummt.

Bekenntnisorgien im Kollektivmodus wie im obigen Beispiel fallen eher in die Kategorie "Verblödung" als irgend etwas anderes. Leider stehen der hier demonstrierte Kollektivtrieb im Verbund mit Bekenntnisgeilheit für den Zeitgeist.

In rechten Kreisen nennt man den Bekenntnistrieb hin zur derzeitigen Ingroup, so weit ich richtig informiert bin, auch "virtue signaling", was ich für einen ausgezeichneten Ausdruck halte. Der Mensch sucht nach sozialem Anschluss und ruft seinen Mitmenschen zu: "Seht her! Ich habe die richtigen Ideale! Ich habe die richtige Tugend!" – Von außen betrachtet ist das ein ziemlich bedauerliches Schauspiel. Die demonstrierte Moral ist auch wenig glaubwürdig.

Bekenntnis und (individuelle) Erkenntnis stehen sich eher gegenseitig im Weg, doch die Priorität liegt klar beim Bekennen. Es kann heute extrem viel davon abhängen, sich richtig zu bekennnen. Ein falsches Bekenntnis zu sozial ungeliebten Positionen kann schwerwiegende Konsequenzen haben.

Eine solche Atmosphäre ist für mich nicht nur "geistfeindlich", sie ist auch "lebensfeindlich". Es macht einfach kein Spaß in einer solch aufgeheizten Gesellschaft zu leben. Es ist eine Gesellschaft, die geistig in einer Art "Kriegsmodus" existiert. Geist und Geistigkeit gehen im Krieg natürlich unter. Wichtiger als das gute Argument und der tiefgehende Gedanke ist die wirkungsvolle Einschüchterung, die Machterhaltung, die Verhinderung eines "falschen Denkens".

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