Es reicht also nicht mehr -- das muss man vielleicht öfter wiederholen -- eine Trans-Person einfach zu akzeptieren, zu tolerieren oder willkommen zu heißen. Man muss ihre Version der Realität akzeptieren, weil alles andere für diese Person als unzumutbar gilt. Früher wäre eine solche Begründungsstruktur als Indikator betrachtet worden für eine eventuell hilfreiche psychiatrische, psychotherapeutische Behandlung. Aber nein. Bei Trans-Personen gilt dies also nicht mehr. Sie haben schlicht ein Recht auf ihre Wunschrealität und ihre Wunschpronomen. Sie haben ein Recht auf den gesamten öffentlichen Sprachraum als ihren Safe-Space. Die Empfindungen der Trans-Person werden schlicht zum Maß aller Dinge erklärt. Wenn sie sagt, dass etwas unzumutbar ist, dann ist dies unzumutbar. Punkt. (Bei Verhandlungen im Jobcenter, zB ob man eine Arbeit annehmen muss, wäre eine solche Verhandlungsposition etwas großartiges. Und ehrlich! Vielleicht kommt ja mal was Zumutbares...)
Nun gut. Dann ist all das eben der Indikator dafür, dass der komplette Mainstream eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung gebrauchen könnte.
Ich bleibe dabei: Der (gewaltsame) Griff hinein in den Kopf des anderen ist nicht richtig. Das (gewaltsame) Verbiegen von Bedeutungs- und Sprachzuordnungen ist an sich schon eine Art Sünde. Es ist etwas genuin Unanständiges, Veränderungen im Kopf eines anderen ERZWINGEN zu wollen.
Ich verstehe grundsätzlich aber auch, woher diese Unsensibilität kommt: Sie ist nämlich seit Jahrtausenden ein elendiger Teil unserer Kultur. Vor allem die Religionen haben die Saat von geistiger Gewalt in unser Sein geträufelt: Bekenn Dich zu Jesus oder brenn auf dem Scheiterhaufen. Bekenn Dich zu unserer Interpretation des Abendmahls und Du darfst leben. Bekenn Dich zu Jesus und Du kriegst wieder etwas zu essen.
Na gut. Jetzt also: Bekenn Dich zum Wunschgeschlecht Deines Gegenübers und Du ... darfst Dein Job behalten? ... Dein Geld behalten? ... Dein gesellschaftliches Ansehen behalten?
…
Es gibt einen Punkt, den ich der Trans-Seite zugestehe:
Insofern ich den (gewaltsamen) Griff in meinen Kopf ablehne, lehne ich es auch ab, selbst (gewaltsam) in andere Köpfe hinein zu greifen. Und ich kann verstehen, dass man sogar das bloße, gesprochene Wort als eine Art "Mikroaggression" empfinden kann. Die bloße daher-gesprochene Prosa, die kaum mehr Alltagsurteilskraft für sich beansprucht als ein Smalltalk-Gespräch, kann als Mikroaggression empfunden werden.
Sogar philosophisch/psychologisch hat mal jemand eine Verbindung zwischen Aggression und Kreativität hergestellt. Immer wenn etwas aus der Tiefe nach Außen bricht, sei auch Aggression beteiligt. Ich weiß nicht, ob das stimmt.
Und wie verhält sich die Aggression zur (gesunden) Selbst-Behauptung? Ist Kreativität auch eine Art Selbst-Behauptung?
Jedenfalls können sogar Photonen ziemlich aggressiv sein. Sie sind eben nur recht klein gestückelt. Aber zuviel davon und man fängt an zu brennen.
…
Das maximale Zugeständnis bleibt für mich: Ich kann darauf verzichten, die Geschlechtlichkeit überhaupt zu thematisieren, auch nicht indirekt und vielleicht ungewollt durch tradierte Anrede-Formen. Dann müssen wir eben geschlechtslose Anrede-Formen erfinden (zB "Person"). Aber die Wunschrealität des anderen mittragen zu müssen -- das halte ich eben auch für: unzumutbar.
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Eine Trans-Person würde mir hier möglicherweise erbost antworten:
"Wir wollen nur den gleichen Respekt, den auch jeder andere Mensch verdient hat und auch bekommt. Was Du da sagst, klingt nach einer Pathologisierung unserer in Wahrheit gesunden Bedürfnisse. Wir wollen keine Bestätigung irgend einer Fantasterei. Auch wenn es vielleicht oberflächlich betrachtet so aussehen mag. Wir wollen nur die Geltung als das was wir in unserer Seele sind. Die Seele hat dieses Recht."
Und damit wäre ich als Philosoph im Grunde schachmatt gesetzt. D.h. widerwillig überzeugt. Denn ich will und ich muss an die Seele glauben. Und ich glaube obendrein, dass sich das Thema der Geschlechtlichkeit bis in die Seele verwurzelt, vielleicht dort sogar entspringt -- und nicht der körperlichen Welt entspringt, sondern in der körperlichen Welt nur fortgesetzt und entsprochen wird --. Übrigens glaube ich dies auch deswegen, weil ich das Buch "Billy Fingers" gelesen habe. Dort spricht er auch von männlichen und weiblichen Seelen, und dass diese Eigenschaften noch auf den allerhöchsten Entwicklungsstufen der Seelen vorhanden sind. (Ich dachte früher immer, dass Seelen nicht mehr so viel Geschlecht an sich haben. Aber es scheint doch anders zu sein.)
Und meine Widerrufe "Meinungsfreiheit!" und "sprachliche Relativität und Uneindeutigkeit der Begriffe!" wären nicht vollständig entkräftet, aber doch irgendwie etwas schwach auf der Brust.
...
Also:
Gibt es jetzt ein Recht auf Bestätigung oder nicht?
Hier brechen jetzt die Lager auseinander. Die einen sagen: ja. Die anderen: nein.
Und die, die Ja sagen, würden hier nicht von "Bestätigung" reden, sondern von "Anerkennung", "Respekt". Sie würden auch davon reden, dass hier jemand "wahrheitsgemäß referenziert" wird.
Ein Grundproblem dabei: Die Seele ist in unserer materiellen, physischen Welt so überaus schwer sichtbar! Daher wird die Beurteilung dessen, was eine Person "wirklich" ist, von außen praktisch unmöglich, und man ist hier einer totalen Beliebigkeit ausgesetzt. Man kann es eigentlich nie nachprüfen, wenn plötzlich jemand behauptet "Ich bin ein Mann / eine Frau!".
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Jetzt also ein "Offenbarungsverbot"!
Was heißt das?
Ich weiß es nicht. Klingt für mich nach einem Kommunikationsverbot. Ich bin mir nicht sicher, ob es so etwas überhaupt geben darf. Allerdings bejahe natürlich grundsätzlich das Recht auf Privatsphäre. Wenn ich zB wüsste, wo die Kinder von Markus Lanz zur Schule gehen, dann wäre mir völlig klar, dass das eine Information ist, die man nicht weitergeben sollte und auch nicht darf, schon gar nicht öffentlich auf Twitter oder so.
Insofern könnte ich mich eigentlich noch damit abfinden. Das Wort "Offenbarungsverbot" klingt für mich auf der abstrakten Ebene zwar grundfalsch. Ein Kommunikationsverbot erscheint mir grundfalsch. Und doch: Ich könnte es akzeptieren.
Es bleibt nur ein klitzekleines Problem:
Oft genug "offenbart" sich, was Trans-Personen betrifft, die Biologie von selbst. Ich muss bei Frau Kellermann nicht wissen, welchen Geschlechtseintrag sie früher hatte. Ich muss ihr nur einmal ins Gesicht schauen, um dies zu wissen. Und so geht es, glaube ich, auch den restlichen 80 Millionen in diesem Land. Und da wird das "Offenbarungsverbot" eben absurd, bzw. es würde zu einem allgemeinen Schweigegebot werden. Hinsichtlich einer Tatsache, über die jeder Bescheid weiß.
Ich freue mich schon fast auf die kommenden Gerichtsurteile, die hierüber differenzierte Betrachtungen anstellen müssen.
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So gehörte es dann auch zur "Menschlichkeit" des Gnadenhof-Betreibers, dass er den Tieren, denen er noch ein paar Lebensjahre geschenkt hatte, irgendwann den Gnadenschuss gab. Er konnte es einfach nicht mit ansehen, wie die alte Kuh, von Krankheiten und Schmerzen heimgesucht, nur noch eine leidvolle Existenz lebte.
Vielleicht ist das ja auch der tiefere Sinn, warum der liebe Gott Raubtiere und das Prinzip "Fressen und Gefressen-Werden" in die Welt getragen hat. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Vielleicht ist das ja auch der tiefere Sinn von todbringenden Krankheiten und (Corona-)Viren.
Ich glaube, dass ein Grippe- oder Grippe-ähnlicher Tod nicht der schlechteste ist. Vor allem starkes Fieber erscheint mir wie eine relativ milde Überleitung ins Jenseits. Meine letzten, richtig starken Fieber-Erfahrungen sind zwar schon über 20 Jahre her, aber ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich diese Zustände immer sehr interessant fand. Es waren Grenzerfahrungen, in denen ich mich immer auch ein bißchen wohl fühlte; sehr in meinem "Geist" beheimatet.
Trotzdem hätte ich nichts dagegen, jetzt nochmal verschont zu werden.
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Dass er nur in der "Plus"-Ausgabe hinter einer Paywall steckt, muss uns ganz sicher nicht stören. Wir Klugen können uns die Frage selbst beantworten. Wir machen unsere Hausaufgaben und fragen zuerst nach guten Definitionen für die Worte "klug" und "rechts".
Was solche Mikro-Signale in Form einer hinterhältigen, tendenziösen und gleichzeitig doch offensichtlich dummen Frage in der Gesellschaft bewirken; das weiß ich allerdings nicht genau. Das große Problem ist ja gar nicht so sehr ein allgemeiner Mangel an Intelligenz. Sondern ein Mangel an geistiger Selbständigkeit, ein Mangel an Mut und persönlicher Emanzipiertheit, d.h. auch ein Mangel an Aufklärung und Rationalität ("Habe Mut Dich Deines Verstandes zu bedienen."). Da kann man wahrscheinlich damit rechnen, dass eine solche Suggestivfrage ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Dressur des Pawlow'schen Hundes, die bis zu einem gewissen Grad in uns allen steckt, wird aufrecht erhalten.
Der menschliche Mainstream hat eine ungeheure Lust am Diffusen und diffus Wertenden.
Und was die Linksintellektuellen betrifft; sie scheinen gar süchtig nach diesem Spiel mit "Rechts" zu sein. Und sie haben ja im Grunde gewonnen. "Rechts" ist die große Sammelbezeichnung für alles Böse, Schlechte und Rückschrittliche im Politischen geworden. Und gleichzeitig mutet es irgendwie süß an, wie sie sich der Frage "Kann ein kluger Mensch rechts sein?" wirklich stellen. Aber Achtung, die Frage kann auch gefährlich werden. Denken überhaupt ist ja gefährlich. Vielleicht ist sogar etwas an dieser These dran?: "Um auf anständige Weise 'rechts' zu sein, muss man gar überdurchschnittlich intelligent sein."
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Lasst sie (die Wahrheit) und die Falschheit miteinander ringen; wer hat je erkannt, dass die Wahrheit den Kürzeren gezogen hat in einem freien und offenen Kampf?
John Milton, 1664
gefunden bei Jochen Bittner (twitter)
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Sogar das Licht erscheint relativ lahm.
Dabei bin ich gar nicht "nihilistisch" oder sonstwie destruktiv drauf. Im Gegenteil, ich finde es großartig. Mein "Glauben" wird dadurch geweitet, gestärkt.
(Und ja, man kann sogar Hitler einen Vogelschiss nennen und damit irgendwie Recht haben.)
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Nietzsche, Friedrich, Jenseits von Gut und Böse, Zweites Hauptstück. Der freie Geist, 24
O sancta simplicitas! In welcher seltsamen Vereinfachung und Fälschung lebt der Mensch! Man kann sich nicht zu Ende wundern, wenn man sich erst einmal die Augen für dies Wunder eingesetzt hat! Wie haben wir alles um uns hell und frei und leicht und einfach gemacht! wie wußten wir unsern Sinnen einen Freipaß für alles Oberflächliche, unserm Denken eine göttliche Begierde nach mutwilligen Sprüngen und Fehlschlüssen zu geben! – wie haben wir es von Anfang an verstanden, uns unsre Unwissenheit zu erhalten, um eine kaum begreifliche Freiheit, Unbedenklichkeit, Unvorsichtigkeit, Herzhaftigkeit, Heiterkeit des Lebens, um das Leben zu genießen! Und erst auf diesem nunmehr festen und granitnen Grunde von Unwissenheit durfte sich bisher die Wissenschaft erheben, der Wille zum Wissen auf dem Grunde eines viel gewaltigeren Willens, des Willens zum Nicht-wissen, zum Ungewissen, zum Unwahren! Nicht als sein Gegensatz, sondern – als seine Verfeinerung! Mag nämlich auch die Sprache, hier wie anderwärts, nicht über ihre Plumpheit hinauskönnen und fortfahren, von Gegensätzen zu reden, wo es nur Grade und mancherlei Feinheit der Stufen gibt; mag ebenfalls die eingefleischte Tartüfferie der Moral, welche jetzt zu unserm unüberwindlichen »Fleisch und Blut« gehört, uns Wissenden selbst die Worte im Munde umdrehen: hier und da begreifen wir es und lachen darüber, wie gerade noch die beste Wissenschaft uns am besten in dieser vereinfachten, durch und durch künstlichen, zurechtgedichteten, zurechtgefälschten Welt festhalten will, wie sie unfreiwillig-willig den Irrtum liebt, weil sie, die Lebendige – das Leben liebt!
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Sittlichkeit und Verdummung. – Die Sitte repräsentiert die Erfahrungen früherer Menschen über das vermeintlich Nützliche und Schädliche, – aber das Gefühl für die Sitte (Sittlichkeit) bezieht sich nicht auf jene Erfahrungen als solche, sondern auf das Alter, die Heiligkeit, die Indiskutabilität der Sitte. Und damit wirkt dies Gefühl dem entgegen, daß man neue Erfahrungen macht und die Sitten korrigiert: das heißt, die Sittlichkeit wirkt der Entstehung neuer und besserer Sitten entgegen: sie verdummt.
Nietzsche, Morgenröte, Zweites Buch, 107. Unser Anrecht auf unsere Torheit:
... – Und wenn die Vernunft der Menschheit so außerordentlich langsam wächst, daß man dieses Wachstum für den ganzen Gang der Menschheit oft geleugnet hat: was trägt mehr die Schuld daran als diese feierliche Anwesenheit, ja Allgegenwart moralischer Befehle, welche der individuellen Frage nach dem Wozu? und dem Wie? gar nicht gestattet, laut zu werden? Sind wir nicht darauf hin erzogen, gerade dann pathetisch zu fühlen und uns ins Dunkle zu flüchten, wenn der Verstand so klar und kalt wie möglich blicken sollte! Nämlich bei allen höheren und wichtigeren Angelegenheiten.
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