Dienstag, 5. Januar 2021
Das erste Mal AfD gewählt (Demokratiekritik)

Ich glaube, es war 2013, als Bernd Lucke noch die Partei führte. Ich hatte mir fest vorgenommen, die AfD zu wählen. Ich wollte den Parteititel ernst nehmen. Ich wollte mal was anders machen, mal eine Alternative wählen. Ich dachte auch, dass diese "Griechenland-Rettung" höchst fragwürdig war. Und die Art, wie man die AfD von Anfang an dämonisierte, schien mir falsch. Und dann habe ich es tatsächlich gemacht; mein Kreuz an der entsprechenden Stelle…

Warum das erwähnenswert ist: Ich brauchte Mut und jede Menge Selbstüberwindung, um meine Absicht in die Tat umzusetzen. Und ich hätte es fast nicht geschafft! Sollte meine Erfahrung auch nur graduell übertragbar sein auf andere Menschen – und das ist eben mein schlimmer Verdacht – dann haben wir es hier mit einer Verfälschung der Demokratie zu tun. Eine Demokratie ist korrumpiert, wenn legitime Wahlentscheidungen als illegitim erscheinen. Eine Demokratie ist disfunktional, wenn große Teile des Wahlvolks mit einer Schere im Kopf rumlaufen und sich zwanghaft einer herrschsüchtigen Moral unterwerfen, die gewisse Wahloptionen einfach verbietet.

Man stelle sich vor, wir würden heute noch so stark unter dem Einfluss der Großkirchen stehen wie vor 100 oder 200 Jahren. Nun halten wir eine "demokratisch faire" Abstimmung darüber ab, ob wir das Recht auf Abtreibung bejahen oder verneinen wollen. –

Der Schluss, der hier zu ziehen ist, ist ganz offensichtlich folgender: Die psychischen Kräfte im Menschen sind zu stark, um bei der Beurteilung einer Demokratie ignoriert werden zu können. Wer die Demokratie bejaht, wer Demokratie in möglichst hoher Qualität verwirklichen will, der muss auch dafür sorgen, dass die Gesellschaft aus lauter starken und freien Individuen besteht. Es braucht Individuen, die nicht unter dem hypnotischen Einfluss irgendwelcher fremder Ideologien und Moralsysteme stehen. Es braucht Individuen, die ihr Urteilen von A bis Z selbst managen. Es braucht Individuen, die keine Angst vor Ausgrenzung haben oder diese Angst zumindest in Schach halten können. – Wie viele von dieser Sorte Individuen haben wir?

Auch als Demokrat bin ich also in höchstem Maße: "Individualist". Die "Schere im Kopf" wünsche ich niemandem. Außer es ist die eigene und frei gewählte.




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